Wechseljahre – Wandlungszeit der Frau (Teil 2)

Frau in der Mitte ihres Lebens

Balance entsteht nicht auf einmal – sondern im Prozess

Heute nehme ich dich weiter mit in meine ganz persönliche Geschichte und meine Erfahrungen mit der Perimenopause.

In Teil 1 habe ich dich mit hineingenommen in das Frühjahr meines 45. Lebensjahres –

in die Zeit, in der mich eine bleierne Müdigkeit überkam. Ich schlief fast jeden Abend neben meinem Partner frühzeitig auf der Couch ein – was sehr untypisch für mich war.

Doch dabei blieb es nicht.

 

Wenn der Körper lauter wird

Mein Schlaf verschlechterte sich zunehmend. Und dann kam es auch zu Nachtschweiß.

Ein Symptom, das mich aufhorchen ließ.

Ich kannte es bereits – Anfang 40 hatte ich es ein- oder zweimal erlebt. Damals verschwand es einfach wieder. Doch diesmal war es anders.

Die Symptome häuften sich. Und sie wurden intensiver:

  • schwitzen – tagsüber & nachts
  • Nacken- und Gelenkschmerzen
  • häufiges Wasserlassen in der Nacht
  • unruhiger Schlaf
  • Trockene Schleimhäute (auch im Hals) & Juckreiz

Was mich jedoch am meisten erschütterte, war: Die Veränderung meiner Stimmung.

Meine Stimmung veränderte sich massiv.

Ich erlebte Phasen, die sich anfühlten wie plötzliche depressive Einbrüche – scheinbar aus dem Nichts. Das war für mich kaum erklärbar, gerade weil ich ein Mensch bin, der sehr bewusst auf seinen Serotonin-Haushalt achtet. Aufgrund meiner Feinfühligkeit weiß ich, dass ich hier besonders sensibel bin. Und trotzdem kamen diese Zustände.

Unkontrolliert.

Heftig.

Verunsichernd.

 

Der Versuch, Antworten zu finden

Ich vereinbarte einen Termin bei einer Heilpraktikerin, die auf Frauenheilkunde spezialisiert war. Und wie so oft war ich gut vorbereitet.

Ich hatte mich bereits intensiv eingelesen, vieles verstanden, vieles ausprobiert. Trotzdem tat es gut, einmal jemandem gegenüberzusitzen, der wohlwollend auf meine Situation blickt. Jemand, der anerkennt, wie viel ich bereits tue. Das ist etwas, das ich im klassischen medizinischen Kontext oft vermisst habe.

 

Zwischen Wissen und Grenzen

Gleichzeitig zeigte sich auch hier eine Grenze:

Die Heilpraktikerin wusste zum Beispiel nicht, dass Hormonmessungen im Speichel bei der Einnahme bioidentischer Hormone kaum aussagekräftig sind, weil die Werte stark verfälscht sein können.

Also entschieden wir uns, die Werte im Blut bestimmen zu lassen.

Das Ergebnis:

Mein Östrogenspiegel war deutlich zu niedrig.

 

Wenn du auf dich selbst gestellt bist

Wir besprachen mögliche Wege. Doch als Heilpraktikerin durfte sie mir keine bioidentischen Hormone verschreiben. Ich war also – mal wieder – auf mich selbst gestellt.

Zum Glück hatte ich mich über Jahre hinweg intensiv informiert. Ich war Teil einer Selbsthilfegruppe, hatte unzählige Erfahrungsberichte gelesen und wusste, wie groß der Leidensdruck bei vielen Frauen ist. Und ich traf die Entscheidung, auf eigene Faust Estradiol (das fehlt im Körper, bei Östrogenmangel) zu besorgen.

Nicht leichtfertig.

Sondern bewusst.

Denn zu diesem Zeitpunkt hätte ich erst Monate später einen Termin bei meiner Frauenärztin bekommen – zu einer Ärztin, bei der ich mich ohnehin nie wirklich gut aufgehoben gefühlt hatte. Das Vertrauen fehlte.

Also ging ich meinen eigenen Weg.

 

Und plötzlich veränderte sich alles

Mit der Anwendung des Estradiols begann sich mein Zustand zu verbessern.

Woche für Woche.

Die Müdigkeit ließ nach

Die Stimmung stabilisierte sich

Ich fühlte mich wieder mehr bei mir

Doch es gab noch einen weiteren Bereich, der sich über Jahre hinweg verschlechtert hatte – und den ich lange nicht einordnen konnte: Kognitive Veränderungen

Ich hatte zunehmend Probleme mit:

Konzentration

Gedächtnis

Wortfindung

Ein schleichender Prozess. Von Jahr zu Jahr wurde es intensiver.

Zu dieser Zeit befand ich mich in einer wichtigen Ausbildung – und musste mir eingestehen:

Ich konnte mir Inhalte nicht mehr zuverlässig merken.

Fachbegriffe verschwammen.

Lernen wurde zur Herausforderung.

Die Entscheidung, eine Prüfung vorerst nicht anzutreten, war schmerzhaft.

Aber sie war auch ein Akt der Selbstfürsorge.

 

Selbstverantwortung – Schritt für Schritt

Da mich niemand wirklich anleitete, tastete ich mich selbst heran.

Vorsichtig.

Beobachtend.

Lernend.

Im Juni, im Urlaub, kam jedoch ein Rückschlag: Die gedrückte Stimmung kehrte zurück, begleitet von innerer Unruhe und Ängstlichkeit.

Keine klassischen Panikattacken – aber ein Gefühl von Instabilität, das schwer auszuhalten war, gerade im Urlaub.

 

Verstehen, was passiert

Durch eigene Recherche wurde mir klar: Wenn ich Östrogen zuführe, verschiebt sich das hormonelle Gleichgewicht. Das Verhältnis zu Progesteron verändert sich. Und genau das hatte ich gespürt.

Also begann ich, auch hier nachzujustieren – sehr vorsichtig, da ich auf Schwankungen immer sehr sensibel reagiert hatte.

Und tatsächlich: In der zweiten Urlaubswoche stabilisierte sich mein Zustand wieder. Eine enorme Erleichterung.

 

Die Suche nach Balance

Diese Erfahrung hat mir eines sehr deutlich gezeigt: Die richtige Balance zu finden, ist in der Perimenopause alles andere als einfach.

Und gleichzeitig möchte ich an dieser Stelle betonen: Es geht mir nicht darum, ausschließlich Hormone als Lösung darzustellen.

Ich bin überzeugt, dass man – wenn man früh genug beginnt – auch mit pflanzlicher Unterstützung viel erreichen kann.

 

Zum Beispiel mit:

Mönchspfeffer

pflanzlichen Hormonmischungen

gezielter Mikronährstoffversorgung (hierzu wird es einen eigenen Post geben)

Doch nach meiner Erfahrung kommt irgendwann ein Punkt, an dem der Körper in eine stärkere Dysbalance rutscht.

Denn:

Zuerst sinkt das Progesteron

später auch das Östrogen

Und dieser Abfall kann spürbare Auswirkungen haben.

 

Wissen, das ich teilen möchte

Wenn du dich tiefer mit dem Thema beschäftigen möchtest, empfehle ich dir von Herzen das Buch von

Sheila de Liz – Woman on Fire.

Sie leistet wertvolle Aufklärungsarbeit rund um bioidentische Hormone und trägt dazu bei, dass sich das Bild zu diesem Thema langsam verändert.

Für viele Frauen ist ihr Buch ein wichtiger erster Zugang.

Und gleichzeitig wurde mir durch meinen eigenen Weg noch etwas anderes sehr klar:

Wissen allein reicht oft nicht aus.

Was viele Frauen in dieser Phase wirklich brauchen, ist Orientierung.

Ein Raum, in dem sie gesehen und geführt werden.

Und jemanden an ihrer Seite, der nicht nur theoretisch versteht, was passiert – sondern es selbst durchlebt hat.

Genau aus diesem Grund habe ich mich entschieden, meine Arbeit in diese Richtung zu erweitern.

Ich begleite heute Frauen in der Perimenopause und in den Wechseljahren – ganzheitlich, differenziert und mit einem tiefen Verständnis für die körperlichen wie auch emotionalen Prozesse.

Weil ich weiß, wie sich dieser Weg anfühlen kann.
Und wie viel leichter er wird, wenn man ihn nicht alleine gehen muss.

 

Und dann kam eine wichtige Erkenntnis

All diese Erfahrungen haben mich zu einer zentralen Erkenntnis geführt:

Balance ist nichts, was man einmal erreicht – sondern etwas, das sich immer wieder neu einstellen darf.

Gerade in der Perimenopause.

Und genau hier beginnt der nächste, vielleicht wichtigste Teil meiner Reise – in Teil 3

Herzlichst Jasmin