Wechseljahre – Wandlungszeit der Frau (Teil 3)

Dein Geschenk in der Perimenopause

Wandlung als Chance begreifen lernen

In Teil 2 habe ich das Thema Selbstfürsorge bereits angedeutet.
Und genau hier möchte ich heute noch einmal tiefer eintauchen.

Denn die Perimenopause ist so viel mehr als das, was wir auf körperlicher Ebene erleben.

 

Mehr als Symptome – ein innerer Wandel

Ja, da sind die körperlichen Veränderungen.

Die Müdigkeit.
Die Schlafprobleme.
Die hormonellen Schwankungen.

Aber gleichzeitig geschieht etwas, das sich nicht allein körperlich erklären lässt:

Ein innerer Wandel.

Gerade wenn du feinfühlig bist, wirst du das besonders deutlich spüren.
Du nimmst ohnehin mehr wahr, reflektierst tiefer, bist näher an deinem Inneren.

Und in dieser Phase verstärkt sich genau das noch einmal.

Wenn du mit Frauen sprichst, die diesen Weg bereits gegangen sind oder mittendrin stecken, zeigt sich etwas sehr Gemeinsames:

Es fühlt sich an wie ein Wandel der eigenen Identität.

 

Wenn die Balance immer wieder kippt

Auch bei mir blieb es nicht bei einem stabilen Zustand.

Nachdem ich im Juni begonnen hatte, so etwas wie Balance zu finden, kippte es im August erneut – diesmal in eine andere Richtung: Progesterondominanz.

Die Folge war eine neue Form von Erschöpfung, tiefe Müdigkeit und massive  Schlafprobleme.

Und wieder begann dieser Prozess von vorne: Beobachten, Spüren, Anpassen – Schritt für Schritt, Sehr fein und sehr bewusst.

 

Was ich wirklich gelernt habe

Wenn ich etwas aus dieser Zeit mitgenommen habe, dann das:

Mein Körper spricht mit mir. Immer.

Und je mehr ich gelernt habe, ihm zuzuhören, desto klarer wurden seine Signale.

Ich habe mich nicht mehr von außen orientiert, sondern begonnen, mich nach innen auszurichten.
Habe beobachtet, hinterfragt, gelernt, mich ausgetauscht und Entscheidungen getroffen.

Nicht aus Angst, sondern aus Verbindung.

Und ich habe nie alles gleichzeitig verändert, sondern immer nur winzig

kleine eine Stellschraube.

Ich habe angepasst, gewartet, beobachtet – manchmal über Wochen.

Denn jede Veränderung bringt zunächst Bewegung ins System.
Und genau diese Phase auszuhalten, ist oft der schwierigste Teil.

 

Genau hier beginnt echte Begleitung

Denn genau das ist der Moment, in dem viele Frauen sich allein fühlen.

In diesem Dazwischen, in dieser Unsicherheit.
In diesem Gefühl, dass es nicht sofort besser wird.

Und genau hier sehe ich meine Aufgabe.

Denn so herausfordernd diese Zeit auch ist – sie trägt etwas unglaublich Wertvolles in sich.

 

Wie eine zweite Pubertät – nur auf eine andere Weise

Man hört oft den Vergleich, die Perimenopause sei wie eine zweite Pubertät.

Vielleicht ist er nicht ganz treffend – und doch liegt etwas Wahres darin.

Damals haben sich die Hormone aufgebaut und heute verändern sie sich in die andere Richtung.

Und doch tauchen ähnliche Fragen auf:

Wer bin ich jetzt?
Wo stehe ich im Leben?
Was passt noch zu mir – und was nicht mehr?

 

Die großen Fragen des Lebens

Vielleicht kennst du das:

Du befindest dich in einer Phase, die manche als „Midlife Crisis“ bezeichnen würden. Die Krise in der Mitte des Lebens!

Es ist eine Zeit, in der sich der Blick nach innen vertieft. Und oft fällt genau das zusammen mit der Perimenopause.

Nicht zufällig, denn während sich dein Körper verändert, beginnen sich auch deine inneren Maßstäbe zu verschieben.

Die Fragen werden klarer, direkter und sie lassen sich nicht mehr so leicht übergehen:

Ist es mir wirklich noch wert und wichtig, dafür meine Energie aufzuwenden?

Warum verliert das, was mir früher wichtig war, an Bedeutung?

Passt das Leben, das ich führe, noch zu mir? Welches Leben passt denn stattdessen zu mir?

Und auch: Passen die Menschen an meiner Seite noch zu der Frau, die ich heute bin und noch werde?

Was passiert, wenn ich mich selbst nicht an erste Stelle setze?

Und wie wichtig ist es noch, alles unter Kontrolle zu haben?

Diese Fragen kommen nicht plötzlich.
Aber sie werden lauter.

 

Was plötzlich nicht mehr funktioniert

Gleichzeitig zeigt dir dein Körper sehr deutlich deine Grenzen.

Was früher möglich war, funktioniert nicht mehr auf die gleiche Weise. Die Energie ist begrenzter und die Belastbarkeit verändert sich.
Und deine Reaktionen auf Stress werden feiner – und oft auch unmittelbarer.

Das hat einen ganz realen Hintergrund:

Dein Körper kann Stress nicht mehr so ausgleichen wie früher.

Vielleicht bemerkst du, dass du schneller gereizt bist, unruhiger.
Manchmal auch wütend oder innerlich angespannt, ohne genau zu wissen, warum.

Und ja, das kann auch im Außen spürbar werden – dein Umfeld wird es zu spüren bekommen, vor allem unsere Männer!
Aber vor allem ist es etwas, das dich selbst herausfordert.

 

Wenn sich Prioritäten verschieben

Mit dieser Veränderung wandelt sich auch dein Blick auf dein Leben.

Dinge wie Leistung, Funktionieren oder für alle da zu sein verlieren an Selbstverständlichkeit. Nicht, weil sie falsch waren, sondern weil sie nicht mehr in der gleichen Weise zu dir passen.

Und an ihre Stelle tritt eine andere, sehr klare Frage: Wofür möchte ich meine Energie wirklich einsetzen?

 

Selbstfürsorge wird zur Notwendigkeit

Viele Frauen haben gelernt, sich anzupassen, durchzuhalten und für andere da zu sein. Und dann kommt diese Phase – und stellt genau das in Frage.

Plötzlich geht es darum, dich selbst ernst zu nehmen, deine Bedürfnisse wahrzunehmen.

Und dir den Raum zu geben, den du vielleicht viel zu lange nicht hattest.

Das ist nicht immer leicht.

Aber es ist notwendig.

Und genau darin liegt eine große Chance.

 

Ein neuer Umgang mit Energie

Ich habe das selbst sehr konkret gespürt – zum Beispiel bei unserem Umzug.

Ich konnte leisten.
Aber ich habe deutlich gemerkt, dass mein Körper schneller an seine Grenzen kommt und mehr Zeit zur Regeneration braucht.

Und genau das ist ein Punkt, der viele Frauen verunsichert:

Zu spüren, dass sich etwas verändert.

Dass der Körper nicht mehr einfach „funktioniert“.

 

Doch dahinter liegt etwas Größeres

Ja, das kann sich zunächst wie ein Verlust anfühlen, aber ich glaube, dass es in Wahrheit eine Einladung ist.

Eine Einladung zu mehr Selbstannahme,
zu mehr Achtsamkeit, zu mehr Verbindung mit dir selbst.

Denn wenn du beginnst, dich darauf einzulassen, entsteht etwas Neues:

 

Deine weibliche Weisheit

Oft wird von der „weisen Frau“ gesprochen und ich glaube, dass in dieser Phase genau das beginnt: Eine neue Klarheit entsteht!

Was bin ich mir wert?
Wofür setze ich meine Energie ein?
Was darf gehen?

 

Und mit dieser Klarheit verändert sich vieles.

Du beginnst, Ruhe dem Dauerstress vorzuziehen.
Tiefe statt Oberflächlichkeit.
Wahrhaftigkeit statt Anpassung.

Und vielleicht spürst du genau darin:

Du wirst dir selbst näher.

 

Ein leiser, kraftvoller Abschluss

Die Perimenopause ist keine Phase, die man einfach hinter sich bringt. Sie ist eine Einladung:

Zu dir selbst.
Zu deiner Wahrheit.
Zu deiner Tiefe.

Und vielleicht ist genau das ihr größtes Geschenk, dass du dir selbst wieder begegnest – auf eine neue, tiefe und ehrlichere Weise.

 

Abschluss: Eine Einladung an dich

Vielleicht spürst du es beim Lesen:

Diese Phase ist nicht nur etwas, das „mit dir passiert“. Sie ist eine Einladung, dich neu auszurichten. Deinem Leben eine neue Bedeutung zu geben und dir selbst mit mehr Bewusstsein zu begegnen.

Und ja – dieser Weg bringt Herausforderungen mit sich.

Aber er trägt auch etwas in sich, das größer ist als all das: Die Möglichkeit, dich selbst neu zu entdecken.

Für mich war genau das die größte Erkenntnis dieser Zeit.

Und genau deshalb begleite ich heute Frauen in dieser Phase.

Nicht, weil ich den einen richtigen Weg kenne, sondern weil ich weiß, wie es sich anfühlt – wie es sich anfühlt im Sturm alleine zu stehen, mit all seinen Ängsten, Wut, Erschöpfung, Traurigkeit, Fragen und dem Gefühl, allein zu sein! 

Wenn du spürst, dass du dir dabei Unterstützung wünschst,
dann lade ich dich von Herzen ein:

Lass uns sprechen. 🤍

…Sondern dein Gehirn funktioniert einfach anders

Vielleicht fragst du dich dein Leben lang schon, warum du irgendwie anders bist.

Warum du anders denkst als viele Menschen in deinem Umfeld. Warum du vieles viel intensiver fühlst. Warum dich Geräusche, Gerüche, Licht oder die Stimmung anderer Menschen manchmal regelrecht überwältigen können, während andere scheinbar mühelos ihren Alltag meistern. Warum du Gespräche stundenlang nachdenkst, Zusammenhänge erkennst, die anderen gar nicht auffallen, und gleichzeitig manchmal an den einfachsten Alltagsaufgaben verzweifelst.

Vielleicht hast du dein Leben lang das Gefühl gehabt, dass mit dir irgendetwas nicht stimmt.

An dieser Stelle möchte ich dir erst einmal etwas sagen, was ich selbst viele Jahre gebraucht habe, um wirklich glauben zu können:

Mit dir ist nichts falsch.

Vielleicht gehörst du einfach zu den Menschen, deren Gehirn Informationen anders verarbeitet als das der Mehrheit.

Ich nutze heute ganz bewusst den Begriff Neurodivergenz, weil ich mich selbst in diesem Spektrum wiederfinde und dieses Thema mich mittlerweile schon viele Jahre begleitet – persönlich ebenso wie in meiner Arbeit als Coach.

 

Von der Hochsensibilität zur Neurodivergenz

Wer mir schon länger folgt, weiß, dass ich mich viele Jahre intensiv mit dem Thema Hochsensibilität beschäftigt habe.

Ich habe Bücher gelesen, Seminare besucht, mich ausgetauscht, sogar selbst eine Gruppe für hochsensible Menschen geleitet, als ich noch in Leipzig lebte. Damals war die Hochsensibilität für mich endlich eine Erklärung dafür, warum ich die Welt so wahrnehme, wie ich sie eben wahrnehme.

Und ich glaube auch heute noch, dass Hochsensibilität ein sehr hilfreiches Konzept ist.

Gleichzeitig hat sich mein Blick in den letzten Jahren verändert.

Es gibt mittlerweile immer mehr Fachleute, Forscher und auch Betroffene, die vermuten, dass Hochsensibilität möglicherweise gar kein eigenständiges Persönlichkeitsmerkmal ist, sondern vielmehr häufig im Zusammenhang mit Neurodivergenz auftritt. Einen wissenschaftlichen Konsens gibt es dazu bislang nicht – und genau deshalb möchte ich hier auch keine endgültige Wahrheit verkünden.

Ich möchte vielmehr meine Beobachtungen mit dir teilen.

Wenn ich heute auf all die hochsensiblen Menschen zurückblicke, denen ich im Laufe meines Lebens begegnet bin, erkenne ich bei vielen rückblickend Merkmale, die ebenso gut zu einer Neurodivergenz passen könnten. Natürlich ersetzt das keine Diagnose und ist auch keine Bewertung. Es ist lediglich etwas, das mir über die Jahre immer häufiger aufgefallen ist.

Vielleicht gibt es Hochsensibilität unabhängig von Neurodivergenz. Vielleicht ist sie bei vielen Menschen aber auch Ausdruck einer anderen Art, Informationen wahrzunehmen und zu verarbeiten.

Ich persönlich bin inzwischen eher bei letzterem Gedanken angekommen – ohne dabei zu behaupten, dass dies bereits wissenschaftlich bewiesen wäre.

 

Meine eigene Reise

Vor fast zwanzig Jahren erhielt ich die Diagnose ADHS. Damals war ich ehrlich gesagt alles andere als erleichtert, denn ich wollte keinen weiteren Stempel.

Wenn man beginnt, sich intensiv mit Persönlichkeitsentwicklung, Psychologie oder therapeutischer Arbeit auseinanderzusetzen, begegnet man ohnehin schon vielen Begriffen und Schubladen. Ich hatte damals das Gefühl, dass ich nicht noch eine weitere brauchte.

Also legte ich die Diagnose innerlich erst einmal beiseite.

Heute sehe ich das vollkommen anders. Nicht, weil ich mich über eine Diagnose definiere, sondern weil ich verstanden habe, dass Neurodivergenz keine Krankheit ist.

Es geht nicht darum, dass etwas kaputt ist. Es geht darum, dass unser Gehirn auf neurobiologischer Ebene Informationen anders verarbeitet.

Und dieser Perspektivwechsel hat für mich unglaublich viel verändert.

 

Was bedeutet Neurodivergenz eigentlich?

Neurodivergenz beschreibt Menschen, deren Gehirn anders funktioniert als das der sogenannten neurotypischen Mehrheit.

Dazu zählen unter anderem ADHS, Autismus, Legasthenie, Dyskalkulie oder auch Hochbegabung. Viele Menschen bewegen sich dabei irgendwo innerhalb dieses Spektrums und bringen unterschiedliche Ausprägungen mit.

Wie viele Menschen neurodivergent sind, lässt sich nicht genau sagen. Je nach Definition variieren die Zahlen. Häufig ist von etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung die Rede. Gleichzeitig vermuten viele Fachleute, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegen könnte – insbesondere deshalb, weil ADHS und Autismus bei Frauen jahrzehntelang massiv unterdiagnostiziert wurden.

Frauen lernen häufig schon sehr früh, sich anzupassen.

> Sie beobachten andere

> Sie übernehmen soziale Regeln

> Sie unterdrücken ihre Impulse

> Sie funktionieren

In der Fachwelt spricht man dabei vom sogenannten Masking.

Von außen wirken viele Frauen deshalb unauffällig, obwohl sie innerlich permanent damit beschäftigt sind, sich an eine Welt anzupassen, die nicht für ihre Art zu denken gemacht wurde.

Und genau diese permanente Anpassungsleistung kostet unglaublich viel Energie.

 

Eine andere Art zu denken

Ein Bild hat mir persönlich sehr geholfen, meine Denkweise zu verstehen.

Natürlich ist jedes Gehirn individuell und solche Modelle vereinfachen immer ein Stück weit.

Aber stell dir einmal vor, ein neurotypisches Gehirn bewegt sich häufig Schritt für Schritt.

Von A nach B.

Von C nach D.

Unser gesamtes Schul- und Arbeitssystem orientiert sich weitgehend an dieser linearen Denkweise.

Ein neurodivergentes Gehirn arbeitet oft ganz anders.

Von A nach C.

Von dort nach Z.

Dann plötzlich wieder zurück zu A.

Dann fällt noch etwas zu M ein.

Und plötzlich ergibt alles auf einmal ein großes Gesamtbild.

Viele Menschen mit ADHS oder anderen Formen der Neurodivergenz kennen genau dieses Erleben.

Vielleicht kennst du das auch aus Gesprächen. Du erzählst etwas, springst scheinbar mitten im Satz zu einem anderen Thema und landest am Ende doch wieder genau dort, wo du angefangen hast. Andere fragen sich manchmal: “Wie kommt sie denn jetzt darauf?”

Für dich ergibt es vollkommen Sinn, denn dein Gehirn arbeitet nicht linear. Es arbeitet vernetzt, holistisch. Es erkennt Zusammenhänge oft lange bevor sie ausgesprochen werden.

 

Was Neurodivergenz ausmachen kann

Diese andere Art der Informationsverarbeitung zeigt sich auf ganz unterschiedlichen Ebenen.

Viele neurodivergente Menschen nehmen Reize intensiver wahr. Geräusche, Gerüche, Licht, Berührungen oder die Stimmung anderer Menschen dringen oft ungefiltert ins Bewusstsein. Das Gehirn sortiert weniger aus – und genau deshalb kann ein ganz normaler Alltag irgendwann unglaublich anstrengend werden.

Auch Emotionen werden häufig intensiver erlebt. Freude kann überwältigend sein. Begeisterung ebenso. Aber auch Kritik, Konflikte oder Zurückweisung treffen oft viel tiefer, als Außenstehende nachvollziehen können.

Hinzu kommen häufig Schwierigkeiten mit den sogenannten exekutiven Funktionen. Planen, Prioritäten setzen, Aufgaben beginnen oder abschließen, Zeit realistisch einschätzen oder den Überblick behalten – all das kostet oft deutlich mehr Kraft, obwohl von außen häufig das Gegenteil vermutet wird.

Gleichzeitig steckt in genau dieser anderen Art zu denken auch unglaublich viel Potenzial.

Viele neurodivergente Menschen sind außergewöhnlich kreativ.

> Sie erkennen Muster

> Sie verknüpfen Wissen miteinander

> Sie entwickeln neue Ideen

> Sie hinterfragen Bestehendes

Sie besitzen häufig einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und können sich mit großer Leidenschaft in Themen vertiefen, die sie wirklich interessieren.

Ich bin heute der Meinung, dass genau diese Fähigkeiten unsere Welt braucht.

 

“Ich bin doch gar nicht kreativ…”

Vielleicht denkst du jetzt gerade: “Das trifft auf mich überhaupt nicht zu.”

Das höre ich tatsächlich häufig, bei Frauen, die viele Jahre versucht haben zu funktionieren. Sie haben oft den Zugang zu ihren eigenen Stärken verloren.

Ich selbst dachte als Kind lange, ich sei eher langsam, nicht besonders intelligent. Ich brauchte für viele Dinge mehr Zeit als andere.

Heute weiß ich, dass ich nicht langsamer war, sondern dass mein Gehirn Informationen einfach gründlicher verarbeitet. Es wollte Zusammenhänge verstehen und es wollte alles miteinander verknüpfen. Und genau das braucht manchmal eben etwas länger.

Das Ergebnis ist dafür häufig sehr differenziert, kreativ und ganzheitlich.

 

Das eigentliche Problem ist oft nicht die Neurodivergenz

Ich glaube, viele Schwierigkeiten entstehen gar nicht durch die Neurodivergenz selbst, sondern dadurch, dass wir versuchen, in einem System zu funktionieren, das überwiegend für neurotypische Menschen entwickelt wurde.

Schule.

Ausbildung.

Arbeitswelt.

Gesellschaftliche Erwartungen.

Überall wird häufig dieselbe Art zu lernen, zu denken und zu arbeiten vorausgesetzt.

Kein Wunder also, dass viele neurodivergente Menschen irgendwann glauben, sie seien falsch.

Dabei brauchen sie oft gar keine Veränderung ihrer Persönlichkeit – sie brauchen Verständnis, passende Strategien und Räume, in denen sie ihre Stärken tatsächlich leben dürfen.

 

Mein Wunsch für die Zukunft

Ich habe das Gefühl, dass sich gerade etwas bewegt.

Es wird mehr geforscht, mehr gesprochen, mehr aufgeklärt.

Eine liebe Freundin von mir arbeitet beispielsweise an der Universität. Dort wurde ein Netzwerk gegründet, das sich gezielt mit Neurodiversität beschäftigt und innerhalb der Universität Aufklärungsarbeit leistet. Solche Entwicklungen machen mir Hoffnung.

Denn genau das wünsche ich mir – mehr Verständnis, mehr Sichtbarkeit, mehr Akzeptanz.

Und vor allem mehr Räume, in denen neurodivergente Menschen nicht lernen müssen, sich ständig anzupassen, sondern ihre besonderen Fähigkeiten entfalten dürfen.

 

Mein Beitrag mit meiner Arbeit

Auch ich möchte mit meiner Arbeit einen kleinen Beitrag dazu leisten. Deshalb begleite ich in meinen Coachings ganz bewusst viele feinfühlige, hochsensible und neurodivergente Frauen.

Nicht, um Diagnosen zu stellen – das gehört selbstverständlich in die Hände entsprechend qualifizierter Fachpersonen, sondern um gemeinsam hinzuschauen:

> Zusammenhänge zu erkennen

> Eigene Bedürfnisse besser zu verstehen

> Strategien für den Alltag zu entwickeln

> Und vor allem, um wieder Vertrauen in die eigene Art zu denken, zu fühlen und zu sein zu finden

Gerade weil ich selbst diesen Weg gegangen bin, kenne ich viele der Fragen, Zweifel und inneren Kämpfe aus eigener Erfahrung.

Denn um genau das geht es. Es geht nicht darum, jemand anderes zu werden, sondern endlich zu verstehen, warum man schon immer anders war – und zu erkennen, dass genau darin oft die größte Stärke liegt.

Herzlichst Jasmin