Etwas in dir verändert sich
Wenn du das Gefühl hast, dass sich etwas verändert, du erschöpft bist, schlechter schläfst, Stimmungsschwankungen bemerkst oder dich einfach nicht mehr wie du selbst fühlst, kann es hilfreich sein, einmal genauer auf deine Hormone zu schauen.
Mir persönlich hat es immer geholfen, nicht nur Symptome zu betrachten, sondern Zusammenhänge zu verstehen. Denn unser Körper arbeitet nicht in einzelnen Schubladen. Hormone, Mikronährstoffe, Stress, Schlaf und Stoffwechsel beeinflussen sich gegenseitig.
Die folgenden Werte können einen ersten Überblick darüber geben, wo du gerade stehst:
Estradiol (Östrogen)
Estradiol ist das wichtigste Östrogen im weiblichen Körper.
Es beeinflusst unter anderem:
- Gehirn und Gedächtnis
- Stimmung und emotionale Stabilität
- Haut und Schleimhäute
- Knochenstoffwechsel
- Herz-Kreislauf-System
- Energie und Vitalität
In der Perimenopause beginnt Estradiol häufig zu schwanken. Es kann zeitweise sehr hoch sein und später deutlich absinken.
Ein niedriger Estradiolwert kann sich beispielsweise bemerkbar machen durch:
- Hitzewallungen
- Schlafstörungen
- Konzentrationsprobleme
- Wortfindungsstörungen
- trockene Schleimhäute
- Stimmungsschwankungen
Für die Beurteilung wird Estradiol häufig zwischen dem 3. und 5. Zyklustag bestimmt.
Progesteron – das beruhigende Hormon
Progesteron wird nach dem Eisprung vom Gelbkörper gebildet.
Es wirkt auf viele Frauen wie ein natürliches Gegengewicht zu Stress und innerer Anspannung.
Progesteron unterstützt:
- Schlaf
- emotionale Stabilität
- Gelassenheit
- Zyklusregulation
Bereits in den frühen Wechseljahren nimmt die Progesteronproduktion häufig ab, weil Eisprünge unregelmäßiger werden oder ausbleiben.
Typische Hinweise können sein:
- innere Unruhe
- Schlafprobleme
- stärkere PMS-Beschwerden
- Ängstlichkeit
- Zyklusveränderungen
Wichtig: Progesteron sollte idealerweise etwa sieben Tage nach dem Eisprung gemessen werden. Nur dann lässt sich beurteilen, ob ausreichend Progesteron gebildet wird.
FSH (Follikelstimulierendes Hormon)
FSH wird in der Hirnanhangsdrüse gebildet und regt die Eierstöcke zur Eireifung an.
Sinkt die Leistungsfähigkeit der Eierstöcke, versucht der Körper dies auszugleichen und produziert mehr FSH.
Deshalb gilt:
- erhöhtes FSH → häufig Hinweis auf beginnende Wechseljahre oder nachlassende Eierstockfunktion
- normales oder niedriges FSH → kann auf eine noch aktive Eierstockfunktion hindeuten
FSH wird häufig gemeinsam mit Estradiol betrachtet.
LH (Luteinisierendes Hormon)
LH löst normalerweise den Eisprung aus.
In der Perimenopause kann das Zusammenspiel von LH und FSH aus dem Gleichgewicht geraten.
Dadurch kann es zu:
- unregelmäßigen Zyklen
- ausbleibenden Eisprüngen
- schwankenden Progesteronwerten
kommen.
SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin)
SHBG ist ein Transporteiweiß.
Es bindet unter anderem Östrogen und Testosteron und beeinflusst dadurch, wie viel von diesen Hormonen dem Körper tatsächlich zur Verfügung steht.
- Hohes SHBG → weniger freie Hormone verfügbar
- Niedriges SHBG → mehr freie Hormone verfügbar
Dieser Wert kann wichtige Hinweise liefern und wird oft übersehen.
Warum ich Blutwerte wichtig finde
Mir geht es dabei nicht darum, Zahlen zu sammeln oder mich in Laborwerten zu verlieren.
Aber wenn wir verstehen möchten, was in unserem Körper gerade passiert, können Blutwerte ein hilfreicher Baustein sein.
Denn manchmal steckt hinter Erschöpfung, Konzentrationsproblemen, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen eben nicht einfach „Stress“ oder eine psychische Belastung, sondern ein hormoneller Umbruch, der Beachtung verdient.
Natürlich ersetzen Laborwerte keine ärztliche Diagnostik. Sie können jedoch helfen, die richtigen Fragen zu stellen und Zusammenhänge besser zu verstehen.
Freies Labor oder Frauenarzt?
Viele Frauenärztinnen und Frauenärzte bestimmen diese Werte. Meine persönliche Erfahrung ist allerdings, dass die Kenntnisse zum Thema Perimenopause sehr unterschiedlich ausgeprägt sind.
Zum Glück verändert sich hier gerade viel. Das Thema Wechseljahre wird endlich sichtbarer und immer mehr Fachpersonen spezialisieren sich auf diesen Bereich.
Wenn du dennoch das Gefühl hast, nicht ernst genommen zu werden oder immer wieder gegen Wände zu laufen, kann ein freies Labor eine Möglichkeit sein. Dort lassen sich viele Werte auch ohne lange Diskussionen bestimmen.
Mir persönlich war es immer wichtig, informiert zu sein und Verantwortung für meinen eigenen Weg zu übernehmen.
Du musst diesen Weg nicht allein gehen
Viele Frauen kommen in dieser Lebensphase zu mir, weil sie das Gefühl haben, den Kontakt zu sich selbst verloren zu haben.
Jahrelang haben sie funktioniert. Als Mutter. Als Partnerin. Im Beruf. Für andere.
Und dann beginnt plötzlich etwas zu wanken.
Die Perimenopause ist für viele Frauen weit mehr als eine hormonelle Veränderung. Sie ist oft auch eine Phase der Neuorientierung. Eine Zeit, in der alte Rollen nicht mehr passen und neue Antworten gefunden werden wollen.
Genau dort begleite ich Frauen.
Nicht mit Heilversprechen. Nicht mit Patentlösungen.
Sondern mit einem ganzheitlichen Blick auf das, was gerade da ist – körperlich, emotional und psychisch.
Denn Identitätsfindung, Sinnfragen und persönliche Entwicklung lassen sich aus meiner Sicht nicht getrennt vom Körper betrachten. Wenn Hormone Achterbahn fahren, dürfen wir auch darauf schauen.
Wenn du das Gefühl hast, dass dich diese Phase gerade herausfordert, musst du nicht alles allein tragen.
Und vielleicht ist dieser Beitrag einfach ein erster Schritt, um dich mit deinem Körper, deinen Hormonen und den Veränderungen dieser Lebensphase vertrauter zu machen.
Denn Wissen nimmt nicht alle Herausforderungen. Aber es kann Orientierung geben. Und manchmal ist genau das der Anfang von etwas Neuem.
Herzlichst
Jasmin

